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Über das Projekt

Eine Landkarte der deutschen Datenlandschaft

Der Datenatlas kartiert 10.149 Datentypen aus acht gesellschaftlichen Sektoren und bewertet für jeden einzelnen, wie leicht er sich als Open Data veröffentlichen ließe — mit Begründung. Kein Downloadportal, sondern eine strukturierte Übersicht darüber, wo Datenschätze liegen und was ihrer Öffnung im Weg steht.

Das Problem, das er adressiert

Die Open-Data-Debatte krankt an einem blinden Fleck: Sie dreht sich um Portale, Lizenzen und Schnittstellen — also um Daten, die bereits veröffentlicht sind. Was fehlt, ist der Blick auf das, was noch nicht veröffentlicht ist.

Organisationen kennen ihren Bestand nicht

Ein Jugendamt weiß, dass es Fallakten führt. Dass daraus aggregierte Sozialraumstatistiken werden könnten, die für Stadtplanung und Forschung wertvoll wären, steht auf einem anderen Blatt.

„Zu sensibel“ ist oft ein Pauschalurteil

Weil die Rohdaten personenbezogen sind, gilt der ganze Bestand als tabu — obwohl die aggregierte Auswertung völlig unproblematisch wäre.

Das Potenzial bleibt unsichtbar

Wer nicht weiß, dass eine Datenart existiert, kann sie weder anfragen noch nutzen noch ihre Öffnung einfordern.

Der Engpass ist selten rechtlich

Über zwei Drittel der erfassten Datentypen wären sofort publizierbar. Nur 3,4 % sind so sensibel, dass lediglich Metadaten veröffentlicht werden könnten.

Wie der Atlas aufgebaut ist

Der gesamte Bestand ist nach dem Prinzip Wer produziert welche Daten wobei? gegliedert — vier Ebenen, von der Gesellschaft bis zum einzelnen Datenprodukt.

  1. SektorStaat und Verwaltung8
  2. OrganisationOrdnungsamt147
  3. AktivitätVerkehrsüberwachung418
  4. DatentypMessstellen-Geodaten10.149

Die Sektoren sind konsequent nach Trägertyp geschnitten — danach, wer die Daten erzeugt, nicht worum es thematisch geht. Ein Krankenhausdatensatz liegt daher je nach Träger in Staat oder Wirtschaft, nicht in einem Sektor „Gesundheit“. Das klingt sperrig, ist aber entscheidend: Öffnungshürden hängen an der Trägerform, nicht am Thema. Eine kommunale Klinik unterliegt anderen Transparenzpflichten als eine private.

SektorOrganisationstypenDatentypen
Staat und Verwaltung463.174
Wirtschaft231.587
Zivilgesellschaft201.386
Wissenschaft und Forschung191.311
Medien12828
Bildung12828
Religionsgemeinschaften10690
Kultur5345

Was an jedem Datentyp hängt

Jeder der 10.149 Einträge ist strukturiert erschlossen: Thema (10 Felder), Datenart (8 Typen), Granularität, Format, Lizenz, Relevanz auf einer Skala von 1 bis 5, Aktualisierungsrhythmus und Verfügbarkeitsjahr — dazu mindestens fünf Prozessbezüge. Diese Prozessbezüge sind mehr als Beiwerk: Sie verbinden Datentypen quer über Sektorgrenzen. Wer „Monitoring & Evaluation“ verfolgt, sieht auf einen Schlag alle Datentypen aus allen acht Sektoren, die diesem Zweck dienen.

Die Öffnungsbewertung

Der eigentliche Kern. Jeder Datentyp trägt eine von drei Klassen — und die Einstufung steht nie allein, sondern immer mit Begründung.

  • 68,1 % sofort publizierbar
  • 28,5 % nach Aufbereitung
  • 3,4 % nur Metadaten

Worin der Wert liegt

Zwei Datentypen derselben Aktivität eines Ordnungsamts — mit gegensätzlicher Bewertung:

Nur Metadaten

Blitzerfoto-Datenbank

Rohdaten enthalten biometrische Daten und Kennzeichen als direkte Personenidentifikatoren. Direktveröffentlichung ist rechtlich ausgeschlossen. Nur aggregierte Standortstatistiken ohne Fahrzeug- oder Personenbezug sind als Open Data geeignet.

Sofort publizierbar

Bußgeldstatistiken

Vollständig anonymisierte Aggregatstatistiken ohne Personenbezug. Veröffentlichung steigert Transparenz und ermöglicht Verkehrssicherheitsforschung. Viele Städte — Berlin, Hamburg — veröffentlichen Vergleichbares bereits.

Genau diese Differenzierung ist der Punkt: nicht „Verkehrsüberwachung ist heikel“, sondern welcher Teil aus welchem Grund — und was stattdessen ginge.

Öffnungsquote nach Sektor

Anteil der Datentypen, die sofort publizierbar wären.

  • Staat und Verwaltung76,7 %
  • Wissenschaft74,2 %
  • Zivilgesellschaft71,3 %
  • Kultur67,2 %
  • Bildung66,4 %
  • Religionsgemeinschaften62,3 %
  • Wirtschaft57,1 %
  • Medien47,6 %

Was der Atlas kann

Isometrische Karte

Alle Datentypen einer Ebene als begehbare Kachellandschaft. Die Farbe jeder Kachel zeigt die Öffnungsklasse — Muster werden auf einen Blick sichtbar.

Suche und Tiefensuche

Über Namen und Pfade aller Sektoren. Auf Wunsch zusätzlich über die Beschreibungen: „pseudonymisiert“ findet so fünf Datentypen statt keinem.

Statistik und Zeitverlauf

Öffnungsverteilung je Sektor, kumulative Verfügbarkeitskurve und Aktualisierungsrhythmen — die Grundlage struktureller Aussagen.

Ähnliche Datensätze

Zu jedem Datentyp bis zu fünf thematisch verwandte aus anderen Sektoren — der schnellste Weg zu Verknüpfungspotenzial.

Datenkombinator

32 Fusionsszenarien zeigen, welches Erkenntnispotenzial in der Verknüpfung sektorübergreifender Daten steckt.

Leitfaden „Daten öffnen“

Fünf Schritte zur Veröffentlichung, mit Lizenz- und Publikationsempfehlung nach Sektor, Datenart und Rechtslage — am Ende eine konkrete Checkliste.

Wozu er gebraucht werden kann

Den eigenen Bestand entdecken

Unter dem eigenen Organisationstyp findet sich, was dort typischerweise anfällt — oft einschließlich Datenarten, an die intern niemand gedacht hat. Ein Einstieg in die Dateninventur, ohne bei null zu beginnen.

Öffnungsentscheidungen vorbereiten

Statt „Dürfen wir das veröffentlichen?“ die differenzierte Vorlage: Welcher Teil ist unbedenklich, welcher braucht Aufbereitung — und warum. Verwendbar gegenüber Datenschutz, Leitung und Gremien.

Datenlücken adressieren

Anfragen werden konkreter: nicht „Gibt es dazu Daten?“, sondern „Ihr Amt führt Aktivität X, dabei entsteht typischerweise Datentyp Y — in welcher Form liegt der vor?“

Verknüpfung erkennen

Der Erkenntnisgewinn liegt selten im einzelnen Datensatz, sondern in der Kombination — etwa Umweltmessungen des Staates mit Gesundheitsdaten und zivilgesellschaftlichem Monitoring.

Politik und Strategie begründen

Öffnungsquoten je Sektor machen strukturelle Aussagen möglich — gestützt auf Struktur statt Anekdote.

Lehre und Qualifizierung

Ein realistischer, konsistenter Datenraum mit begründeten Bewertungen, an dem sich Abwägungen zwischen Transparenz und Schutzinteressen durchspielen lassen.

Wer sich damit auseinandersetzen sollte

  • Open-Data-Verantwortliche in VerwaltungenAls Inventurhilfe und Priorisierungsgrundlage. Der Sektor Staat ist mit 46 Organisationstypen und 3.174 Datentypen am dichtesten erschlossen.
  • Kommunale Leitung und DigitalisierungUm zu erkennen, welche Datenschätze im eigenen Haus liegen und welche mit vertretbarem Aufwand Transparenz und Verwaltungsnutzen erzeugen.
  • Datenschutzbeauftragte und JustiziariateAls Grundlage für differenzierte statt pauschaler Bewertungen. Die Begründungen benennen Rechtsgrundlagen und zeigen Aggregationswege auf.
  • Datenjournalismus und RechercheUm zielgerichtet zu erkennen, welche Daten bei welcher Stelle entstehen, und Anfragen präzise zu formulieren.
  • Forschung und WissenschaftFür Quellensuche und Forschungsdatenmanagement — und als Untersuchungsgegenstand für Transparenz- und Open-Government-Forschung.
  • Zivilgesellschaft und NGOsUm Transparenzforderungen zu belegen und eigene Bestände einzuordnen. Der Sektor folgt den 16 Engagementfeldern des ZiviZ-Monitors.
  • Unternehmen mit DatenverantwortungMit 57,1 % Grün-Anteil zeigt der Wirtschaftssektor erhebliches Potenzial, besonders bei aggregierten Kennzahlen und Nachhaltigkeitsberichterstattung.
  • Politik und VerbändeFür Argumentationen zu Transparenzgesetzgebung, Open-Data-Strategien und Verwaltungsdigitalisierung.

Was der Atlas nicht ist

Für einen redlichen Umgang sind die Grenzen ebenso wichtig wie die Möglichkeiten.

  • Kein Datenkatalog und kein Downloadportal. Er verzeichnet Datentypen, nicht einzelne Datensätze. Für tatsächlich verfügbare Daten sind GovData, Landesportale und Fachrepositorien die richtigen Anlaufstellen.
  • Kein Verzeichnis geprüfter Bestände einer konkreten Organisation. Er modelliert, was bei einem Organisationstyp typischerweise anfällt. Ob ein bestimmtes Amt einen bestimmten Datensatz führt, muss vor Ort geprüft werden.
  • Keine Rechtsberatung. Die Öffnungsklassen sind fachlich begründete Einschätzungen, keine rechtsverbindlichen Feststellungen. Eine konkrete Entscheidung erfordert die Prüfung des Einzelfalls.
  • Zeitangaben sind illustrativ. Verfügbarkeitsjahre und Aktualisierungsrhythmen bilden plausible Größenordnungen ab — sie sind nicht je Datentyp recherchiert.

Kurz: Der Datenatlas ist ein Orientierungs-, Argumentations- und Planungswerkzeug. Er ersetzt keine Inventur, keine Rechtsprüfung und kein Datenportal — er macht sie zielgerichteter.

Technisches Fundament

Der Atlas läuft vollständig im Browser: keine Datenbank, kein Backend, kein Tracking. Der komplette Bestand liegt als statische Dateien vor, ist einsehbar und als CSV exportierbar — nichts passiert in einer Blackbox. Der Quellcode steht unter MIT-Lizenz; die Struktur lässt sich für andere Länder oder Domänen übernehmen. Ein Validator prüft bei jeder Änderung Schema, Vokabular und Kennungen automatisch.

Die Datenlandschaft erkunden Von den acht Sektoren bis zum einzelnen Datentyp — interaktiv auf der isometrischen Karte.
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